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Der Marktführer zittert nicht
PSP Artikel vom 16.11.2003
Kann sich die Geschichte wiederholen? Nach Meinung Nintendos anscheinend nicht, wie erklärt es sich sonst, dass die gesamte Führungsetage des (Noch-)Marktführers dem neuen Konkurrenten PSP mit einmütiger Gelassenheit entgegensieht? Vergessen scheinen die Zeiten, als die so genannte Playstation von Sony mühelos den als unsinkbar gehaltenen Titanen der Konsolenwelt um die Marktführerschaft brachte, wo Nintendo seitdem nurmehr ein Nischendasein fristet.Die Aktionäre sehen diese Gefahr durchaus, nicht umsonst ist die Nintendo-Aktie bei der Ankündigung der PSP in den Keller gesunken. Nintendo-Präsident Satoru Iwata hielt trotzdem an seiner Seelenruhe fest. Man habe „aus den Fehlern gelernt“ und schon allein wegen der Ankündigung der PSP 18 Monate vor dem tatsächlichen Release würde man eine „angemessene Antwort“ entwickeln. Der deutsche Nintendo-Chef Axel Herr orakelte gegenüber der Financial Times Deutschland auch von Reaktionen. „Wir schlafen nicht“, sagte er schon im Mai. Außerdem stellte er eine Zusammenarbeit mit Nintendos Partner Panasonic in Aussicht, der „etwas bauen" könne. Das war es dann auch schon, was wir über einen möglichen Nachfolger des Erfolgs-Handhelds GBA hörten, denn seitdem hat sich Nintendo eine ganze Weile dazu nicht mehr geäußert, bis man sogar die Absicht, ein Konkurrenzprodukt zur PSP zu bauen, offiziell dementierte! Trotz allem stimmten alle Nintendo-Bediensteten, die etwas zu sagen hatten, in den „Wir haben keine Angst“-Sermon ein. So sprach David Gosen, Geschäftsführer von Nintendo of Europe, lediglich davon, mit möglichst vielen verkauften GBA SP’s gegen Sony eine größtmögliche Markteintrittsbarriere zu schaffen. Perrin Kaplan, Vizepräsidentin von Nintendos amerikanischer Marketingabteilung, teilte die offizielle Meinung. So antwortete sie auf die Frage, was Nintendo gegen den neuen Konkurrenten Sony unternehmen sollte: "Sie sagen 'Was wird Nintendo da unternehmen?' Uns gehören 98% des Marktes. Was wird Sony da unternehmen?“ Letztendlich gesellte sich noch George Harrison, seines Zeichens Vizepräsident von Nintendo of America und Namensvetter des kürzlich verstorbenen Ex-Beatles in den fröhlich-optimistischen Firmenreigen, indem er sagte, man werde den GBA innovativ erweitern, um ihn als ebenbürtigen Gegner der PSP aufzubauen. Am Ende stützte er sich aber wieder auf die breite Kundenbasis, die man mit dem GBA bereits erreicht hat. ![]() Die Geschichte wiederholt sich? Wir erinnern uns, wie die Situation vor der Einführung der Playstation aussah: Nintendo war unbestrittener Marktführer in allen Segmenten und dachte, es sich deshalb auch leisten zu können, Sony, mit denen man eine CD-ROM-Erweiterung für das SNES plante, auf einer Pressekonferenz dreist fallen zu lassen und sich mit der Erfolgs-RPG-Schmiede Squaresoft zu verstreiten. Der Playstation, die Sony daraufhin trotzig auf die Beine stellte, räumte kaum jemand echte Chancen ein, zumal Nintendo auch damals schon von einem zukünftigen „Project Reality“ sprach, das die Erfolgsgeschichte des SNES fortführen sollte. Wie es tatsächlich ausging, wissen wir: Sony brachte es aus dem Stand zur Marktführerschaft und Nintendo bekommt seit dem N64 im Konsolengeschäft keinen Fuß mehr auf den Boden. Was hat damals Nintendos Sturz verursacht? Die Hauptgründe waren wohl ihre Selbstsicherheit und die Unfähigkeit, sich neuen Bedingungen anzupassen. Diese beiden Eigenschaften stellen die Repräsentanten von Nintendos Chefetage heute wieder zur Schau, nur existieren diesmal noch undankbarere Grundvoraussetzungen: diesmal gibt es kein angekündigtes „Project Reality“ (das im Falle des N64 ja sowieso zu spät gekommen ist); die einzige Reaktion auf den neuen Rivalen werden ein paar Add-ons für den herkömmlichen GBA SP sein. Vom Gefühl her würde so mancher sagen: niemals werden sie damit ihre Marktführerschaft halten können! Doch es gibt Menschen, die das anders sehen ... und nicht von Nintendo dafür bezahlt werden. Einen Unterschied dieser Situation zu der damaligen mit dem N64 und der PSX hat Soichiro Fukuda, Analyst der Nikko Citigroup ausgemacht: er argumentiert, dass die Motivation Sonys, im Handheldbereich an Marktanteile zu kommen, wegen den in diesem Sektor kleineren Gewinnmargen nicht so groß sei wie damals im Konsolenbereich. Da drängt sich mir, laienhaft wie ich bin, natürlich sofort die Frage auf: „Wieso steigen sie dann überhaupt in den Handheld-Markt ein?“. Wozu nehmen sie dann die Umstände der Entwicklung eines neuen Systems auf sich, wenn sie doch sowieso keinen großen Gewinn zu erwarten haben? Auch andere Analysten räumen Nintendo noch Chancen ein, die Marktführerschaft zu behalten. Ein Grund für ihre These ist, dass Nintendo mit ihren eigenen Marken (Zelda, Pokémon) gegenüber Sony im Vorteil ist. Hier will ich allerdings dagegenhalten, dass diese eigenen Marken Nintendo mit dem N64 schon einmal herzlich wenig gegen Sony gebracht haben. Noch einen Vorteil für Nintendo sehen die Analysten in der Abwärtskompatibilität des Gameboys und der Unfähigkeit der PSP, normale Playstation-Games zu spielen, was den Entwicklern angeblich den Mut rauben soll. Diese These verstehe ich auch nicht unbedingt, schließlich können die Entwickler (ebenso wie sie es derzeit so erfolgreich beim GBA machen), hervorragend alte Titel auf der PSP recyceln, die, wie die Erfahrung zeigt, fast sicheren Gewinne einbringt. Schuster, bleib bei deinen Leisten – das ist auch der Rat, den die Analysten Nintendo geben: wegen ihrem vielbesungenen Kiddie-Image sei es Nintendo unmöglich, weitere Marktanteile zu bekommen, man solle sich daher verstärkt auf die Kinder konzentrieren und dort seine Anteile ausbauen. Die unterschiedlichen Marktanteile, die duch die Handhelds angesprochen werden sollen, geben den Experten auch zu denken. Da die PSP weniger ein Handheld-System, als eher ein „netzwerkfähiges elektronisches Gerät“ (was für ein himmelhoher Unterschied!) sei, dürften sie erst gar nicht in Konkurrenz geraten. Soweit also die Analysten. Aber sind diese Prognosen wirklich unfehlbar? Wenn es wirklich so ist, dass GBA und PSP in verschiedenen Ligen spielen, wieso sehen die meisten Spieler es dann so, dass die PSP als Konkurrenzprodukt zum Gameboy Advance antritt? Schließlich entscheiden sich die Spieler auf Grund ihrer eigenen Sichtweise auf die Dinge entweder für eine PSP oder einen GBA, und wenn sie die beiden Systeme durchaus auf ein und derselbenen Ebene wahrnehmen, könnte es dann nicht vielleicht ein „Krieg in den Köpfen“ werden? So gerne Spieler wie Handheldhersteller eine rasche Entscheidung hätten, welches System sich auf Dauer bewähren wird - der neue Konsolenkrieg, oder sollten wir lieber sagen „Handheldfeldzug“ hat gerade erst begonnen.
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