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Kolumne: Das Übersetzer-Verhör - Wenn Übersetzer weiter pfuschen


Autor: Tjark Michael Wewetzer

Kategorie: Kolumnen
Umfang: 1 Seiten


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PSP Artikel vom 13.02.2010



Sie haben wohl geglaubt, Sie kämen damit durch, wie!? Sie gingen davon aus, dass wir Ihnen nicht auf die Schliche kämen. Sehe ich das richtig? Nun, falsch gedacht! Was erlauben Sie sich eigentlich, weiterhin in Ihre gewohnten Muster zu fallen? Wir haben Ihnen klipp und klar aufgezählt, was in unserer wunderbaren Übersetzungswelt nicht funktioniert. Und dennoch... Dennoch finden sich noch immer zahlreiche Patzer, verteilt über alle Spieleplattformen und Genres. Kein Hersteller scheint sicher, kein Text 100%ig fehlerfrei. Und jetzt werden Sie Rede und Antwort stehen: Wie kam es dazu? Wieso mussten wir unsere Akten schon wieder erweitern? Wie erklären Sie sich, dass derartige Pannen immer und immer wieder vorkommen? Natürlich sei die vollkommene Fehlerfreiheit nie garantiert. In unserem Verhörprotokoll werden sich sicherlich auch noch einige zusätzliche Fehler finden. Doch manche Patzer tun schlichtweg weh - und diesen Schmerz werden wir nun auf Sie projizieren.

Verhör Nr. 1: Der Ursprung der Tippfehler

Versetzen Sie sich mal in die Lage eines anderen Übersetzungsteams, Vergessen Sie einmal Ihre eigenen schwerwiegenden Taten. und schauen Sie auf die Konkurrenz. Sie werden sicherlich sagen wollen „Was wollen Sie von mir?! Die anderen machen doch ebenso viele Fehler wie wir!“ Das mag stimmen. Doch Sie fallen auf. Wir können es noch verstehen, wenn irgendein Übersetzer beim Verfassen seines Textes noch einen kleinen Flüchtigkeitsfehler begeht. So wie Square Enix wohl gerade einen R-roller im Team hatte, der sich mit diesem feinen Stück in „Dissidia: Final Fantasy“ verewigte: „Von ihren magischen Kräften überrrascht und geschockt, will sie wissen, wer sie wirklich ist.“ Auch Konsolengiganten wie Microsoft sind nicht sicher, oh nein. Die Verschwörung der Tippfehler-Lieferanten ist im vollen Gange! Und ich verwette meinen nicht existenten Hut darauf, dass Sie in irgendeiner Form daran beteiligt sind!

Wenigstens hat Microsoft wohl aus dem Fehler gelernt. Zeitweise war nämlich bei „1 gegen 100“ das Werbepausenfilmchen „Schneller Tipp“ mit „Schnelle Tipp“ beschriftet. Erneute Ermittlungen im Dezember 2009 haben jedoch ergeben, dass diese Panne behoben wurde. Der Fall wurde zu den Akten gelegt. Doch glauben Sie ja nicht, dass es so einfach wäre, unserem Verhör zu entkommen... Wo wir schon mal bei der XBox 360 sind, kennen Sie vielleicht das Tier-Duo „Sam & Max“? Ja? Dann wissen Sie sicherlich auch, dass die beiden den Sprung auf eben jene Konsole gepackt haben, richtig? Nur leider scheint man sich da gleich zweierlei Fehler erlaubt zu haben... Eine Schande! Der Schriftzug „Telltale Games präsentier“ ist nur der Anfang...

Verhör Nr. 2: Was soll das heißen, es gibt mehrere Übersetzungsmöglichkeiten?

Wobei 'der Anfang' falsch formuliert ist. Den wahren Anfang stellt natürlich der Titelbildschirm dar. Für die 360-Auflage wurde die erste „Sam & Max“-Staffel mit dem englischen Untertitel „Save the World“ ausgestattet. Jetzt raten Sie mal, wie dies übersetzt wurde... Na los, raten Sie! Sie können sich doch die Antwort schon denken, wo Ihnen ein vergleichbarer Fehler bekannt ist. Sagt Ihnen „Berichten Sie über Karte“ etwas? Dacht' ich mir. Ganz nach diesem Vorbild wurde aus „Sam & Max Save the World“ im deutschen Titelbildschirm „Sam & Max: Retten Sie die Welt“. Es ist zum Haareraufen, welchen Einfluss diese korrupte Art der Übersetzung bereits hat! Deswegen sind Sie hier. Deswegen wollen wir Sie aufhalten. Indem wir Ihnen zeigen, wie katastrophal Ihr Vorhaben ausfällt.

Es hört ja nicht mal dort auf. Um weiterhin auf der Konsole zu bleiben - ja, sie nimmt einen guten Teil heute ein - wenden wir uns doch einem anderen tierischen Duo zu. Bär. Vogel. „Banjo-Kazooie“. Die Neuauflage, komplett mit Bestenlisten, damit sich die Kenner miteinander messen können. Doch was ist das? Sehen Sie das? Sehen Sie das?! Das ist eine Musiknote. 900 davon gibt es im Spiel. Doch was steht daneben? Richtig. „Hinweise“. Irgendjemand muss wohl das englische „Notes“ falsch interpretiert haben. „You“ know? Ein ähnlicher Fehler sollte Ihnen bekannt sein. Oder sollte ich vielleicht „Dir“ sagen? „Euch“? Was auch immer.

Verhör Nr. 3: Und Grammatik war noch mal was?

Ich verstehe Übersetzer wie Sie es sind einfach nicht. Wieso fallen Sie eigentlich ständig auf die simpelsten Fallen herein? Schauen Sie sich doch nur „Tenchu Z“ an! Eine Beispielmission hier: „Bedingungen: Ermorden Jukichi Otawa“. Merkt denn wirklich keiner, dass das englische „kill“ nicht im Infinitiv zu übersetzen ist? Sind wir die einzigen, die derartige Pannen bemerken und uns daran stören? Haben wir vielleicht ein veraltetes Bild von der Rechtschreibung und stehen euch Revolutionären der deutschen Sprache im Weg? Nein. Nein, nein nein! So etwas ist definitiv nicht der Fall. Wir wissen, dass Sie hier im Unrecht liegen.

Und auch all Ihre Kreativität hilft Ihnen nicht. Das haben schon andere versucht. „Drawn to Life: The Next Chapter“ wurde zum Beispiel sehr fahrlässig übersetzt. Das beginnt schon beim Titel, der ohne das Spongebob-Spin-Off mit dem Vorgänger nicht zu verbinden wäre: „Der magische Stift“. Ernsthaft. Doch das wäre eigentlich gar nicht so übel. Nein, damit können wir sogar leben. Viel wichtiger ist jedoch, was aus den Textmassen geworden ist. Da bekommt man schon mal den Hinweis, dass der galaktische Urwald „auch bekannt als Druuw bekannt“ sei. Doppelt hält besser? Ein Trugschluss. Sowas ist eigentlich nicht unsere Abteilung, sondern eher etwas für das Department of Redundancy Department, doch wir benötigen diesen Beweis. Wir benötigen ihn, um Sie endlich in Ihre Schranken weisen zu können.

Verhör Nr. 4: It's THEIR Translation Time...

Denn Sie sind es, die immer wieder Fehler in die deutsche Übersetzung einschmuggeln. Sie sind es, die uns letztes Mal mit einer prall gefüllten Akte beehrt haben. Sie sind es, die uns Klassiker wie den TNT-Sprung oder die Orakelglocke geschenkt haben. Und Sie sind es, die anscheinend noch nicht genug hatten. Gehen wir da recht in der Annahme, Konami?

Aus einer anonymen Quelle wissen wir, dass in Ihrem DS-Titel „Castlevania: Portrait of Ruin“ ein ziemlich inkonsequenter Übersetzer am Werk war. Das Areal „Sandiges Grab“ ist der Knackpunkt. Wer dort speichert, wird beim Laden des Spielstandes Zeuge einer wahrlich interessanten Wortschöpfung: „Sandy Grab“. Wollen Sie uns also erzählen, dass es sich dabei um einen sandigen Griff handelt? Oder das Grab von Johnathans erster Freundin Sandy? Was auch immer es war, mit dem „sandigen Grab“ hat es leider herzlich wenig zu tun. Fühlen Sie sich bereits unwohl? Sie haben allen Grund dazu.

Bleiben wir doch noch ein wenig beim DS. Castlevania ist zum Glück nicht so sehr vom Text abhängig wie andere Spiele. Adventures vielleicht? „Time Hollow“? Oh ja, damit hatten Sie sicherlich auch Ihre helle Freude. Wie, Sie fühlen sich durch meinen beherrschenden Ton eingeschüchtert? „Sprich bisschen leiser, okay?“ Tut uns leid, aber Morris' Spruch aus dem dritten Kapitel wirkt bei uns nicht. Wir sind immun gegen derartige Satzkatastrophen. Was wollen Sie mir sagen? „Es war ein immer das Gleiche mit deinem Vater.“ Erstens bezweifle ich ernsthaft, dass ausgerechnet Sie meinen Vater kennen. Zweitens: Wo kommt das „ein“ her? Ah, jetzt verstehe ich! Sie hatten das „ein“ aus dem vorherigen Satz nicht loswerden können, also hatten Sie es anderswo im Code versteckt! Sie hatten gehofft, es fiele niemanden in diesem Satz auf. Doch ich muss Ihnen leider mitteilen, dass uns so etwas nicht entgeht. Selbiges gilt für einen schönen Wiederholungsfehler: Hatten Sie nicht schon mal „You“ falsch übersetzt? Den Plural und Singular durcheinander gebracht? Warum noch mal am Ende des dritten „Time Hollow“-Kapitels, wo Irving Ethan mit „ihr“ anredet, obwohl er lediglich allein im Raum steht?

Sie glauben, das sei alles? Warten Sie es nur ab. In Ihrem eigens geschaffenen Yu-Gi-Oh!-Genre haben wir noch einiges gefunden. Können Sie mir den Unterschied zwischen einer Schnellzauberkarte und einer Geschwindigkeitszauberkarte nennen? Richtig. Erstere kann jederzeit während eines Duells aktiviert werden, letztere sind Spezialkarten für Turboduelle. Warum nur bringen die Figuren im Spiel diese immer wieder durcheinander? Wird wohl ein schwerer Fehler auf Ihrer Seite sein. Interessant ist auch, wie Sie anscheinend verschiedene Übersetzungen von „Yu-Gi-Oh! 5D's Stardust Accelerator“ in den Mixer geworfen haben. In der Bar finden wir folgende Dialogzeile: „Was willst du tun? Bataille - Non merci“ Für deutsche Texte war wohl das Geld plötzlich zu knapp geworden, hm? Können wir aber auch verstehen. Schließlich wollen komplexe Effekttexte („Solange sich diese Karte in Angriffsposition befindet, können offene Monster vom Typ Maschine, die du kontrollierst, mit 1200 oder weniger ATK können nicht durch die Effekte von Fallenkarten zerstört werden.“) und wichtige Spielmitteilungen („[Spieler] hält [Kartenname] hoch.“ für „[Player] picks [card name] up.“) auf gewohntem Niveau übersetzt werden. Interessant jedoch ist, wie Sie auch HIER den „You“-Fehler begangen haben! Zu Beginn des Spiels stellt Rally seinem Freund Yusei den Spieler vor. Warum der kleine aber trotzdem „Wisst ihr, [Spieler] ist auch ein sehr guter Duellant!“ sagt, erschließt sich uns nicht so ganz. Ein besonderes Lob verdient übrigens auch Ihre konsequente Ignoranz bezüglich eines bestimmten Fehlers, der uns bei „Yu-Gi-Oh! Tag Force“ für die PSP von Beginn an ins Auge stach. Bei einer Niederlage bekommen wir folgenden Text präsentiert: „Dein LP wurde auf 0 reduziert.“ Doch wissen Sie, was das wirklich Witzige daran ist? Diesen Fehler finden wir IN JEDEM „Tag Force“-Spiel SEIT TEIL 1! Ist Ihnen das wirklich nie aufgefallen?! Sie können mir unmöglich erzählen, dass dies alles nur kleine Patzer waren! Dafür ist die Quote viel zu hoch!

Wir brauchen mehr Beweise

Doch vielleicht... Vielleicht können wir noch einmal darüber hinwegsehen. Klar haben Sie sich in der Vergangenheit, wie etwa mit der „Kettenpost“-Rüstung (für „Chainmail“) aus „Suikoden“, ziemlich große Fehler erlaubt. Und auch heute noch finden wir zahlreiche. Doch es ist erstaunlich, dass dies wohl immer noch nicht ausreicht. Nein, dafür ist der Anteil des immer noch anständig übersetzten Textes zu hoch. Yu-Gi-Oh! ist ein Textmonster, dass will niemand hier anzweifeln. Und Fehler passieren jedem. Selbst uns sind hier sicherlich so einige Fehler untergekommen. Nicht zuletzt ist es ja nicht immer nur die deutsche Sprache, die leiden muss. Auch die englische kennt ihr „Engrish“. Wir werden Sie noch einmal mit einer Verwarnung davonkommen lassen. Doch bedenken Sie: Wir beobachten Sie. Und ehe sie sich versehen, könnten wir vor ihrer Tür stehen und mit lediglich sieben Worten wüssten Sie, was wir vorhaben: All your base are belong to us.



Führte für Sie das Verhör durch: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PortableGaming.de
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