Tomb Raider: Legend
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Tomb Raider: Legend
Review vom 14.07.2006
Welcome back, Miss Croft. Wir haben Sie vermisst.
Wer hat eigentlich noch nicht von Lara Croft gehört? Als 1996 mit Lara Croft in Tomb Raider der erste Teil der Action-Adventure-Reihe rund um die hüpfende Archeologin erschien, begann ein Medienhype, der höchstens mit dem rund um Spielsbergs Jurassic Park Saurier zu vergleichen ist. Publisher EIDOS beschäftigte bereits ab der ersten Stunde Doubles im typischen Outfit mit Hotpants, grünem Body, Stiefeln, Rucksack und 9-mm-Pistolen. Als die erste Tomb Raider-Verfilmung mit Angelina Jolie in der Hauptrolle erschien, war der Hype auf seinem Höhepunkt. Und wo geht's hin, wenn man ganz oben ist? Genau, nur noch nach unten. Der fünfte Teil der Reihe war schon nicht mehr als erfolgreich zu bezeichnen, aber das versuchte Comeback The Angel of Darkness schoss mit mieser Steuerung und einer Abkehr vom Höhlenforschen den endgültigen Flopvogel ab.
Doch wie so oft heißt es ein weiteres Mal "Totgesagte leben länger", und so darf sich Lara im Jahr 2006, 10 Jahre nach ihrem ersten Auftritt, ein weiteres Mal beweisen. Tomb Raider Legend stammt erstmals nicht aus der Feder von Core Design, sondern wurde von Crystal Dynamics entwickelt, die hinter einem der besseren Playstation 1 Titeln, Soul Reaver, stecken. Dieses Spiel konnte mit einer packenden Atmosphäre überzeugen, was natürlich die Latte für ein Tomb Raider Legend recht hoch legt.
Und siehe da: Experiment geglückt, der Patient lebt wieder. Tomb Raider Legend konnte auf Xbox (360), PC und Playstation 3 recht passable Wertungen einfahren. Plante man ursprünglich, Lara auf die PSP in Form eines Remake des ersten Teils einzuführen, war diese Überlegung noch vor dem Konsolenrelease hinfällig geworden und es wurde ein weiteres Mal eine PS2-Konvertierung. Die zweite 3D-Handheldfassung nach der Veröffentlichung von Tomb Raider auf dem Nokia N-Gage im Jahr 2003.
Doch zunächst zur Geschichte, die endlich einmal etwas mehr Substanz hat als die der schwachen Vorgänger, wenn sie auch streckenweise mehr als Hanebüchen wirkt: Lara Croft geht ihrem Job nach: Die Suche nach einer alten Reliquie führt die Archäologin nach Bolivien, wo die Ereignisse eine dramatische Wendung nehmen: Eine totgeglaubte Bekannte sowie Hinweise auf den Verbleib ihrer totgeglaubten Mutter führen Lara um den ganzen Globus. Die Hinweise verdichten sich, dass möglicherweise an gewissen Legenden um einen berühmten englischen König und dessen magisches Schwert doch mehr dran ist, als es einen die Geschichtsbücher glauben lassen....
Wie man von den Inkas auf König Artus kommen kann, bleibt wohl auf Ewig das Geheimnis von Crystal Dynamics, Spaß macht die Story dank des "Indiana Jones-Effektes" trotzdem. Dunkle Höhlen dürfen erforscht, klassische Rätsel gelöst und abenteuerliche Sprungeinlagen durchgeführt werden. Begleitet wird Lara in ihrem neuesten Spiel auch: Von Zip und Alister, ihren zwei Gehilfen und Freunden, die ihr mit Informationen und altklugen Sprüchen zur Seite stehen. Für die erstklassige Synchronisation konnte Marion von Stengel gewonnen werden, die Stimme von Angelina Jolie, womit echtes Kinofeeling aufkommen kann. Die Dialoge sind streckenweise zwar etwas stumpf, lockern die Atmosphäre jedoch immer wieder auf und geben dem Ganzen das gewisse Etwas.
Tja, und was soll man sagen: Lara is back! Das noch immer junge Ding hüpft durch die Gegend wie ein Frosch auf der Flucht vor dem Storch. Riskante Klettermanöver und Rätsel waren schon bei Teil 1 das Erfolgsprinzip. Schön, dass man jetzt eine Zeitreise in die 90er Jahre anstellen kann.
Die Rätsel profitieren dabei von der Einführung von Physik. Diese sorgt dafür, dass Kugeln Schrägen auch wirklich hinunter rollen, Kisten über Wippen nach oben geschleudert werden oder Kronleuchter gegen Glocken schlagen. Wichtiges neues Accessoire ist Laras magnetischer Enterhaken: Blinkt irgendwo etwas metallisch auf, kann sie mit diesem Item ausholen und entweder etwas zu sich heran holen oder sonst wie bewegen. Besonders wichtig in den Endgegnerkämpfen, wo man sich nicht auf stumpfes Geballer beschränkt hat.
Dagegen wirken die Schlachten gegen die Standardgegner plump und einfallslos. Selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad sind die Kerle dumm wie Brot und anscheinend aus der Armee der Klonkrieger. Das ist jedoch nichts gegen die angreifende Tierwelt, die wirkt, als hätte sie zuviel von irgendwelchen bolivianischen Blättern geraucht. Uninspiriert und Langweilig absolvieren die Biester mehr einen Gastauftritt als dass sie wirklich mitspielen. Mit wenigen Schüssen landen sie daher auch rasch im Datennirvana.
Apropos Schüsse: Fast jeder Gegner hinterlässt beim Ableben Munition für Schrotflinte oder Sturmgewehr, so dass man nicht ständig auf die (mit unendlich Munition bestückten) 9-mm-Wummen Laras zurückgreifen muss. Etwas Abwechslung im Raiders-Alltag. Dafür sorgen auch die Nahkampfangriffe, die Miss Croft seit neuestem drauf hat. Kicken, Gegner heranziehen, hineinrutschen, oder (besonders cool) am Gegner hochspringen, um dann in einer Art Bullet Time verlangsamt auf ihn herabzuschweben, mit flackernder Pistolenmündung. Kein großer Anspruch, zwischen den zahlreichen Rätseln aber nett anzusehen.
Lara-fahri
Anscheinend wollte man bei Crystel Dynamics so ziemlich alles tun, damit einem beim Spielen bloß nicht langweilig wird. Darum wurden neben den normalen Spielszenen auch ein paar Neuerungen eingebaut. Daher darf sich Lara insgesamt zweimal auf ein Motorrad schwingen und durch die Gegend brausen. Leider sind gerade diese Sequenzen die schlechtesten im ganzen Spiel: Schlechte Steuerung, viel zu einfache Gegner und ruckelnde Grafik machen die Sause nicht gerade zum Vergnügen.
Eine weitere Idee war es, manche Zwischensequenzen interaktiv zu gestalten, ganz im Stil der guten alten Dragon's Lair und Space Ace Spiele. Bedeutet: Knöpfchendrücken auf Kommando. Nicht besonders Anspruchsvoll, einfach nur ganz nett und ohne größere Schwierigkeiten. Schlecht nur, wenn man bei einer Sequenz gerade die PSP aus der Hand gelegt hat, um z.B. eine Kleinigkeit zu trinken und der Geschichte zu lauschen. Denn geht Lara Hops, dauert es doch eine ganze Weile, bis der Spielstand vom letzten Speicherpunkt neu geladen wurde. Letztere sind immerhin grundsätzlich vor jeder schwereren Stelle gelegen und erleichtern das Spiel ungemein. Nicht, dass es besonders anspruchsvoll ist...
Nach etwa 10 Stunden ist man mit dem Vergnügen durch und fragt sich, ob das alles war. War es natürlich nicht, denn jetzt greift das "Donkey Kong Country"-Prinzip: Bis die 100% erreicht sind, dauert es ein ganzes Weilchen. In jedem Level sind dafür verschiedene Schätze versteckt, die von Bronze über Silber hin zu einem Gold-Preis natürlich auch nach Schwierigkeit differieren. Um alle Gold-Stücke zu finden, muss man wirklich sehr clever sein (oder im Internet nachschauen). Dafür lassen sich damit zahlreiche Dinge wie Grafiken, Zeichnungen, aber auch Cheats und Waffenerweiterungen freischalten. Ein netter Schachzug, der zum Immerwiederspielen einläd.
Gameplay:
Ich kann da nicht hinsehen!
Markenzeichen von Lara Croft waren ihre wilden Verrenkungen und Sprungeinlagen. Aber auch die Probleme mit der Kamera, die sich gerne mal in ungünstige Positionen setzt, aus der man sie erst einmal wieder heraus manövrieren muss. Beide "Features" kehren in Tomb Raider Legend zurück. Durch das Fehlen eines zweiten Analog-Sticks ist man ständig darauf angewiesen, stehen zu bleiben, um einen genaueren Blick in die Runde werfen zu können. Auch kommt es vor, dass die Kamera zwar richtig steht, Lara aber ganz leicht an z.B. einer Liane vorbei schielt. Dann geht natürlich auch der Sprung daneben, bei dem man sich leicht das Genick bricht. Und dann? Ladezeiten können unheimlich motivierend sein (vor allem in der Richtung von "mach bloß keinen Fehler, sonst dauert's!").
Trotz dieser Probleme steuert sich Lara nach anfänglichen Schwierigkeiten bald recht flüssig durch die großen, aber unglaublich linearen Level (Abzweigungen und alternative Wege sucht man vergebens). Die Sprünge werden gegen Ende immer besser, anfänglich komplizierte Einlagen hat man nach ein paar Try and Error-Momenten im Griff. Besonders genial ist der Magnethaken, der einige neue Elemente ins Spiel bringt, der aber über ein Extramenü aufgerufen werden muss (bei den Konsolen-Versionen hat man ihn auf Grund der Tastenvielfalt immer griffbereit).
Großen Sympathieabzug gibt es für die Motorradszenen, die wirken, als hätten die Entwickler sie mit der ganz, ganz heißen Nadel gestrickt. Schwammig und unausgegoren.
Grafik:
Miss Croft, Sie sehen heute fabelhaft aus
Endlich gibt es wieder einen Grund, einer Frau hinterherzupfeifen: So hübsch wie Lara Croft in ihrem neuesten Abenteuer aussieht war sie noch nie. Doch nicht nur die Animationen der Archäologin lassen die Videospielerherzen höher schlagen (mal abgesehen von ihrem Pinguingang im langen Abendkleid...), auch der Rest der Grafik ist für PSP-Verhältnisse überragend. Zwar sind die Lichteffekte manchmal etwas stark verpixelt und wirken nicht richtig "durchsichtig". Dafür hat man sich bei der Umsetzung von der Playstation 2 richtig Mühe gegeben und so kann auch Unterwegs in beinahe gleicher Pracht gezockt werden. Im Gegensatz zu den Heimkonsolen wurden jedoch die Texturen etwas runtergeschraubt und häufige Ruckler trüben den Spielspaß. Besonders bei heftigen Feuergefechten ist dies der Fall, aber auch, wenn Lara besonders große Räume betritt. Hier hofft man inständig, dass Sony bald die 333 MHz-Grenze erreichen lässt, denn bisher ist die PSP ja bekanntermaßen nicht voll ausgereizt.
Neben den Ruckelorgien stört vor allem die miese Kamera. Man ist ständig am Nachjustieren, richtig flüssiges Spielen kann so nicht aufkommen. Besonders bei Kletterorgien ist es ärgerlich, wenn man statt der nächsten Station plötzlich Laras Hinterteil mitten im Bild hat (obwohl, wenn man es sich so recht überlegt...). Hier fehlt einfach ein zweiter Analogstick.
Ein Spiel für Unterwegs ist Tomb Raider Legend ebenfalls nicht geworden. Trotz einer spielinternen Helligkeitsregelung ist in den Höhlen oft nichts zu sehen, sobald nur ein wenig Sonne auf das Display trifft. Daher ist das Spiel eher etwas für Hotelurlauber, die Abends gerne mal ihren Sonnenbrand im kühlen, verdunkelten Zimmer kurieren wollen.
Sound:
Sind Sie das, Angelina?
Erstaunlich, was man mit gutem Sound so alles hinbekommt: Dank der tollen Geräusche, der ansprechenden Musik und der erstklassigen Synchronsprecher sind Kopfhörer natürlich Pflicht.
Über das Drehbuch lässt sich streiten, manchmal wären ein paar Kommentare und Tipps von Laras Freunden hilfreich gewesen. Kurios: Mit Hilfe von Laras Fernglas kann man Rätsel auf einfache Weise "scannen" und bekommt einen mehr oder (eher) weniger sinnvollen Tipp von Zip oder Alister - und zwar selbst dann noch, wenn diese Storybedingt eigentlich gerade in einer etwas ungünstigeren Lage stecken.
Features und Besonderheiten:
"Ich war auf der Suche nach ein paar Artefakten..."
Zu Entdecken gibt es im neuesten Tomb Raider trotz der linearen Wege so Einiges. Die Gold-, Silber- und Bronzerelikte sorgen für Abwechslung und dafür, dass man die Level immer wieder spielt, bis man alles gefunden hat. Spätestens, wenn man merkt, dass sich damit viele Goodies und Extras freischalten lassen, beginnt das Abenteurerblut zu kochen. Konzeptstudien, Klamotten, Cheats und Upgrades stehen zur Auswahl. Als Bonuslevel bekommt man außerdem Laras komplettes Anwesen spendiert, in dem sich ebenfalls einige versteckte Artefakte aufhalten, die erst nach und nach gefunden werden können.
Multiplayer:
"Ich arbeite allein!
Es gibt sie also doch, die Unterschiede: Im Gegensatz zu den Konsolen-Fassungen bekommt man bei Tomb Raider Legend auf der PSP einen schmucken Multiplayer spendiert, der aus zahlreichen Kampf- und Wettlaufleveln besteht. Letztere lassen sich auch im Singleplayermodus trainieren, sind hammerschwer und erstaunlicherweise um einiges flüssiger als das Originalspiel. An dieser Stelle merkt man auch, was Tomb Raider Legend mit etwas mehr Feintuning für ein gutes Spiel hätte werden können.
Der Multiplayer benötigt für jeden Spieler eine eigene UMD.
Fazit:
Lara, übernehmen Sie.
Trotz der vielen Kritik: Laras erster PSP-Auftritt darf als gelungen bezeichnet werden. Fans der Serie sehen über die Mängel hinweg und können sich über das wohl beste Tomb Raider nach den ersten zwei Teilen freuen. Da das Ende des Spiels Raum lässt für eine Fortsetzung kann man sich jetzt schon freuen, wie die Story möglicherweise weiter geht.
Tomb Raider Legend ist ein atmosphärisch gut gemachtes, grafisch eindrucksvolles und spielerisch nicht 100% durchdachtes Action Adventure geworden, mit dem man eine ganze Weile seinen Spaß haben kann. Spieler auf der Suche nach dem perfekten Game sollten jedoch einen großen Bogen darum machen, sie werden schnell von den vielen kleinen und großen Fehlern verärgert sein, die das Spiel bietet. Wer sich darauf einlässt hat jedoch mindestens 10 Stunden Spaß.
Christian Nork für PlaystationPortable.de
Vielen Dank an Eidos für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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GAMEPLAY
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Linear und mit Steuerungsproblemen |
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GRAFIK
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Eindrucksvolle Umgebungen, überlasten die PSP jedoch |
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SOUND
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Erstklassige Untermalung mit tollen Synchronstimmen |
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FEATURES
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Viel zum Freischalten, aber irgendwann hat man die paar Level satt |
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MULTIPLAYER
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Anspruchsvoll und flüssig. Schlecht: Kein Gamesharing |
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GESAMT-
WERTUNG:
73%
Mobilitätsfaktor: [3 /10] "Recht lange Ladezeiten und sehr dunkle Umgebung sind Gift für Unterwegs."
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Details
Spielname:
Tomb Raider: Legend
Publisher:
Eidos
Developer:
Crystal Dynamic
Genre:
Adventure
Release:
13.07.2006 (erschienen)
Multiplayer:
Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Screenshots:
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