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Ghost in the Shell: Stand Alone Complex


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Ghost in the Shell: Stand Alone Complex Review vom 14.11.2005

Animes gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die japanischen Kultcomics befassen sich mit jedem erdenklichen Thema. Neben den tiefgründigen Charakteren steht meistens der Kampf Gut gegen Böse im Mittelpunkt. So auch in dieser Softwareumsetzung eines berühmten Ablegers der Animeabteilung. Die Rede ist von Ghost in the Shell. In Europa zwar war nicht in dem Maße bekannt wie Dragonball und Yu-Gi-Oh, genießt "Ghost in the Shell" unter den "wahren" Kennern einen sehr hohen Status.

Ausgangspunkt des PSP-Spiels ist jedoch nicht der angesehene Film, sondern die eher mittelmäßig gestaltete Serie. Ob Ghost in the Shell: Stand Alone Complex genauso wie die Vorlage im Schein des Originals erblasst, oder ein ehrwürdiger Vertreter des EgoShooter-Genres auf der PSP ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Bevor wir ans Eingemachte gehen, ein kurzer Einblick in die Story. In ferner Zukunft wird die Menschheit von Terroristen geplagt. Section 9, eine Art Polizeieinheit, versucht der Nihama-Orginastion den Stecker zu ziehen und wieder Frieden und Sicherheit zu gewährleisten. Soviel zur recht simplen Geschichte, die weder spannende Wendungen, noch irgendwelche Überraschungen für den erwartungsvollen Spieler parat hält.

Ihr schlüpft in die Rolle von einem der vier Section 9 Mitglieder und versucht euch durch insgesamt 24 kurze Level durchzukämpfen. Zur Auswahl stehen euch die Motoku Kusanagi, die trotz geballter Weiblichkeit (Animeveteranen werden wissen, wovon die Rede ist) geschickt und extrem flink ist, der bärengroße Batou, der an einen japanischen Duke Nukem erinnert, Tongusa, der mit seinem katzenartigen Schleichen selbst Sam Fisher Konkurrenz macht und last but not least Saito, der als hervorragender Scharfschütze die Gegner meilenweit entfernt aus dem Verkehr zieht.

Zur Hilfe bekommt ihr in jeder Mission einen Hilfsroboter, Tachikoma genannt, zur Verfügung gestellt, der euch während der Mission begleitet und von euch Befehle annimmt. Außerdem könnt ihr euren Gefährten mit fünf Waffen gleichzeitig ausrüsten und habt die fortschrittliche Artillerie immer zu eurer Seite stehen. Nun ist es endlich soweit. Ihr habt euch auf die Mission vorbereitet, eure Finger zucken vor Vorfreude aufs Ballerfest, doch halt. Schon steht ihr vor der ersten von vielen Hürden, die euch recht schnell den Spaß vermiesen. Die Ladezeiten sind mit 30 Sekunden eine Unverschämtheit. Erinnerungen an Midnight Club 3 Dub Edition werden wach. Nach einem kurzen Nickerchen geht es endlich los. Die Missionen gestalten sich von der Aufgabenverteilung zwar abwechslungsreich, enden aber am Ende immer damit, dass man einfach alle Feinde auf dem Bildschirm vernichtet und einen Ausgang sucht. Simple Schalterrätsel sind nicht der Rede wert und lassen schon nach kürzester Zeit Langeweile aufkommen.

Uns so ballert ihr euch von einem Level ins Nächste und seid nach circa 5 Stunden beim Abspann angelangt. "Und dafür hab ich 50 Euro gezahlt?", fragt sich der entsetzte Spieler. Traurig, aber wahr. Mehr als 5 Stunden monotones Geballere wird einem nicht geboten. Zwar könnt ihr noch das Spiel mit allen vier verschiedenen Charakteren durchspielen, doch ist hier die Motivation genauso hoch, wie an einem Sonntag um 5 Uhr morgens aus den Federn zu kriechen.

Gameplay:
Und da wären wir wieder einmal bei der Problemzone der PSP. Gerade bei einem Ego-Shooter ist die Steuerung die Essenz zum Erfolg und, wie könnte man es anders erwarten, versagt Ghost in the Shell genau in diesem Punkt. Obwohl es mehrere Steuerungsvarianten gibt, zwingt euch jede dazu, den Analogstick zum Bewegen und die Aktionstasten zum Visieren zu gebrauchen. Genau andersrum wäre die Steuerung wenigstens noch "nur" gewöhnungsbedürftig und könnte nach viel Übung mehr oder weniger gemeistert werden. Hier entpuppt sich die Steuerung als debiler Frustfaktor hoch Zehn.
Versucht man anfangs noch den Gegner teilweise anzuvisieren und dadurch Munition zu sparen, ballert man nach nur wenigen Minuten wild in der Gegend rum und hofft, dass wenigstens ein paar der hundert Kugeln den Bösewicht erwischen. "Ballerorgie" ist hier die passende Bezeichnung - und das im negativen Sinne.

Grafik:
Die meisten Fans von Ego-Shootern erwarten keine gameplaytechnische Meisterleistung. Der "Boah! Ist das 'ne Grafik"-Faktor ist ihnen oftmals wichtiger. Doch kann sich Ghost in the Shell nicht einmal "Grafikblender" schimpfen. Ein großes Seufzen geht durch die enttäusche Shootergemeinde, wenn man sich das Leveldesign anschaut. Karge und triste Umgebungsgrafiken erwecken den Anschein, man hätte einen grauen Schleier über das komplette Spiel gelegt. Vielleicht sollte dies die Hacker-Atmosphäre unterstreichen, doch hätten mehr Details und sattere Farben wirklich niemandem geschadet.

Das einzige "Highlight" des Spiel ist, neben der hübschen Protagonisten, das Charakterdesign. In den Zwischensequenzen sieht man deutlich, dass die PSP locker mit der PS2 mithalten könnte, wenn man sich mit der Materie befasst. Trotzdem: so schön die Charaktere auch sind, die Animationen sind stinklangweilig. Jede Sequenz spielt sich folgendermaßen ab: Eine Gruppe von Leute steht bewegungslos da, nur der Brustkorb hebt und senkt sich und verdeutlicht, dass die Charaktere, trotz Wachkoma, noch am Leben sind. Die lächerlichen Mundbewegungen lassen wir mal aus dem Spiel.

Sound:
Auch hier gibt es (fast) nichts Lobenswertes. Seltsame Elektromusik, die eher an eine verrückte Mikrowelle, als an eine durchdachte Komposition, erinnert und lächerliche Waffengeräusche, die sich wie ein Ei dem anderen ähneln. Das einzige positive und gleichzeitig ulkigste Feature ist die Sprachausgabe. Ganz in Englisch gehalten, sorgen besonders die Tachikoma, die die Stimmen eines sechsjährigen japanischen Schulmädchens besitzen, für den ein oder anderen Lacher. Besonders wenn sie sich über ihre wahre Liebe, die brachialsten Waffen freuen, kann man sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen.

Features und Besonderheiten:
Nachdem wir so über das Spiel geschimpft haben, plagt uns das Gewissen, wenigstens etwas Positives aus dem Spiel zu holen. Achja, da wäre was: Es gibt unglaublich viele Waffen! 50 an der Zahl reichen diese von der normalen Pistole bis hin zum obligatorischen Raketenwerfer. Außerdem gibt es vier charismatische Charaktere. Leider kommt im Spiel nicht wirklich etwas davon rüber, deshalb kann man diesen Pluspunkt gleich wieder streichen. Was bleibt ist ein kurzes Spiel, ohne Höhepunkte und jegliche Überraschungen. Den goldenen Schuss setzt sich das Spiel jedoch selbst mit den langen und oft wiederholenden Ladezeiten.

Multiplayer:
Beim Mehrspielermodus zeigt sich Bandai dennoch spendabel, hat das Spiel doch eine Multiplayerunterstützung für ganze 6 Recken, die etwas für wilde Kugelgefechte übrig haben.
Dennoch wird man auch hier, aufgrund der grauenvollen Steuerung nicht wirklich viel Spaß entwickeln können und schon nach wenigen Matches die Flucht ergreifen.


Fazit:
Ghost in the Shell: Stand Alone Complex war vor dem Release eine der großen Shooterhoffnungen für die PSP. Interessante Features, wie die Teamfunktion mit den Tachikomas ließen auf einen guten Titel bauen. Doch was bleibt nach einer längeren Sitzung vor dem Spiel? Bekanntlicherweise stirbt die Hoffnung zuletzt. Unsere liegt hier im langsamen, aber sicheren Sterben. Nur ganz hartgesottene Ghost in the Shell Fans sollten einen Blick riskieren. Für die anderen heißt es: "Bitte weitergehen! Hier gibt es (leider) nichts zu sehen!"

Paul Schütz [Juste Belmont] für PlaystationPortable.de

Vielen Dank an Atari für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.



GAMEPLAY
4 von 10
schwammige und unpäzise Steuerung
GRAFIK
5 von 10
Grau in Grau: das Comeback der Tristheit
SOUND
6 von 10
seltsame Musik, amüsante englische Sprachausgabe
FEATURES
5 von 10
viel zu kurz und ohne Höhepunkte
MULTIPLAYER
7 von 10
frustige Action für bis zu 6 Spieler
GESAMT-
WERTUNG:
60%
Mobilitätsfaktor: [4 /10]
"grausige Ladezeiten und miese Steuerung = Wutausbrüche in der Öffentlichkeit sind garantiert"







Details
Spielname:
Ghost in the Shell: Stand Alone Complex

Publisher:
Atari

Developer:
Bandai

Genre:
Shooter

Release:
21.10.2005 (erschienen)

Multiplayer:
1-6 Spieler

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre
Screenshots:

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